Ein lang erprobtes Instrument an katholischen Schulen sind die „Tage religiöser Orientierung“, zu denen die neuen siebten Klassen zu Beginn des Schuljahres aufbrechen. In dieser gemeinsamen Zeit außerhalb des gewohnten Unterrichts geht es um ein gegenseitiges Kennenlernen und um das soziale Miteinander: Wie erlebe ich meine neuen Mitschülerinnen und Mitschüler? Wie reagieren sie auf mich? Wie komme ich in der Gruppe zurecht? Finde ich hier Freunde? Gibt es einen Gott? Was ist gemeint mit der „Fülle des Lebens“? Traue ich mich, vor anderen ein Gebet zu sprechen? Was bedeutet das überhaupt und wie gestaltet man gemeinsam einen Gottesdienst? Begleitet von ihren Klassenlehrerinnen und -lehrern sammeln die Schülerinnen und Schüler Erfahrungen im gemeinsamen Lernen, im Gespräch und in der Reflexion.
Darüber hinaus bieten diese Tage Raum für grundlegende Fragen der persönlichen Orientierung. Es geht nicht darum, dass alle katholisch oder gläubig sein müssten. Vielmehr laden die Tage dazu ein, die Frage nach einem Gott offen zu halten und sich auf Themen einzulassen, die nach dem Sinn des Lebens fragen: Was ist mir wichtig? Welche Ziele habe ich? Was trägt mich in schwierigen Situationen? Die Schülerinnen und Schüler setzen sich mit Fragen nach Verantwortung, Selbststeuerung und gelingendem Leben auseinander – und entdecken, dass es mehr gibt als das Materielle. Begegnung spielt dabei eine zentrale Rolle im Gespräch, im Zuhören und im gegenseitigen Wahrnehmen. In diesem Sinne gilt, was der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber formulierte: „Der Mensch wird am Du zum Ich.“
Nicht zuletzt verstehen sich auch unsere Lehrkräfte selbst als Lernende: Sie nehmen regelmäßig an Fortbildungen teil, um die pädagogischen und spirituellen Prozesse an unserer Schule reflektiert und verantwortungsvoll begleiten zu können.
